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Artikel 20.05.2007 |
| Sie würden uns gern im Knast begraben! |
04. April 2007 - Hastig verteilt sich die mit Maschinenpistolen bewaffnete Hundertschaft auf dem Gelände. Erschrocken blicken die friedlich versammelten Widerstandskämpfer beim Sturm des Polizeikommandos. Flutscheinwerfer halten den Platz in ihren grellen Schein gefangen. Erzählungen der Eltern, aus der einst in der Gemeinschaft überwundenen DDR, spiegeln sich vor dem geistigen Auge der Jungen und Mädchen.
Bis in den frühen Morgenstunden dauern die Hausdurchsuchungen an. Durch jedes Zimmer, jeden Schrank wühlen sich die Einheiten des Apparates. Ohnmächtig müssen die Angehörigen der Opfer zusehen, wie auch das Letzte bisschen Privatsphäre der Angst und dem Hass der Herrschenden geopfert werden muss.
Im Keller eines Polizeireviers erklingen derweil die Stimmen der drei festgenommenen Widerstandskämpfer. "Die Gedanken sind frei", halt es durch den dunklen Flur vor den Zellen. Wenige Stunden später werden sie den Haftrichter vorgeführt. "Sie stehen im dringenden Verdacht, eine unbekannte Gruppe gebildet zu haben." Die Worte des Richters widerhallen in Martins Ohr - Untersuchungshaft.
In den darauf folgenden Wochen kommt es in mehreren Städten von Sachsen, Brandenburg und Berlin zu Protesten. Wurfschnipsel, Aufkleber und Mauerparolen prägen von Tag zu Tag das Straßenbild. Immer wieder erklingt die Forderung, Martin frei zulassen, bei spontanen Demonstrationen der Widerstandsbewegung.
16. Mai 2007 - Verwundert blicken die Menschen in der Cottbusser Innenstadt auf die Fassade des Hochhauses an der Europakreuzung. Die Brutalität der Herrschenden ist ihnen ebenso unbekannt wie das Schicksal von Martin. Allgegenwärtig wirken die heuchlerischen Phrasen von Menschenrecht und Freiheit des Propagandaapparates.
Nun scheint das Schweigen, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick, durchbrochen zu sein. Unmöglich bleibt es, sich den Anblick der metergroßen Parole zu entziehen, die sich da hoch oben über ihren Köpfen, eindringlicher als es jede Randnotiz in einer Zeitung des Apparates sein könnte, in die Herzen der Menschen brennt.
An diesem 16. Mai, an dem durch eine weitere Solidaritätsaktion auf das Schicksal unseres Kameraden aufmerksam gemacht wurde, ist der Haftbefehl gegen Martin aufgehoben worden. Die Anklage bleibt jedoch bestehen. Und so soll die Parole "Lasst Martin frei" unseren Feinden in Zukunft als Beweis unserer Entschlossenheit zeigen, dass unser Freiheitskampf keine Grenzen kennt und dass der Freiheitswille eines Volkes durch keine Gewalt gebrochen werden kann.
Wir besiegen die Tyrannei, indem wir sie den Menschen als das vorführen, was sie ist.
Dann sehen hunderte den Knüppel, mit denen sie uns einbläuen wollen, dass wir unser Maul zu halten haben, dass es keinen Zweck hat, sich zu wehren, keinen Zweck hat, etwas anderes zu wollen, als lebenslänglich unterdrückt zu werden.
Was uns bleibt, ist nur noch die totale Verweigerung, die Konfrontation, der Kampf, die Befreiung. Doch von Befreiung zu reden heißt, es ernst zu meinen, bedeutet, über Veränderungen nicht nur zu reden, zu lesen und zu schreiben, sondern die Initiative zu ergreifen. Wo Kriminalisierung, Unterdrückung und Heuchelei die gegenwärtige Ordnung bestimmen, kann es keine Vermittlung, keine Überschneidung, keine Vermischung geben. Jeder Einzelne muss das Bewusstsein wach halten, dass es eine Versöhnung nicht geben kann, muss in seinem Lebensraum zeigen, dass man so nicht leben will, dass dies kein Leben ist!

Quelle: www.jugend-offensive.info |
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