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Artikel 02.04.2008 |
| Multikulti - ein "großer Irrtum" |
Der "ursprünglich gut gemeinte" Multikulturalismus hat sich nach Ansicht des Oberrabbiners von Großbritannien, Jonathan Sacks (London), als "großer Irrtum" erwiesen. "Multikulturalismus hatte nicht Integration, sondern Abschottung bestimmter Gruppen zur Folge", schreibt Sacks in der "Jüdischen Allgemeinen". Statt Toleranz zu fördern, seien multikulturelle Gesellschaften aggressiver, gespaltener und intoleranter geworden. Der Oberrabbiner sieht deshalb die liberale Demokratie in Gefahr.
In Großbritannien sei zudem die Meinungsfreiheit bedroht. Eine Mischung aus politischer Korrektheit und religiösem Separatismus nutze die Großzügigkeit der Zivilgesellschaft aus. Religiöse Gruppen übten mit Boykotten und Kampagnen zunehmend Druck aus. Die Kultur zerfalle in verschiedene Glaubenssysteme, zwischen denen kein rationales Gespräch mehr möglich sei.
Mit dem Multikulturalismus sind laut Sacks einheitliche Moral- und Wertvorstellungen schleichend verschwunden. Moral werde auf persönlichen Geschmack reduziert. Dies habe zur Folge, daß in Diskussionen "nicht das bessere Argument siegt, sondern der, der am lautesten schreit". Bestimmte Ansichten würden tabuisiert, "nicht, weil sie falsch sind - es gibt ja keine Wahrheit -, sondern weil sie angeblich die Würde derjenigen verletzen, die anderer Meinung sind". Die Träger dieser Ansicht würden dämonisiert: "Christen sind homophob (homosexuellenfeindlich), Konservative sind Faschisten, wer die traditionelle Ehe befürwortet, ist heterosexistisch, wer den jüdischen Staat verteidigt, ist Rassist." Politische Korrektheit, so Sacks' Fazit, führe zur Intoleranz.
Die Ausführungen des Oberrabbiners sind teilweise auf Verwunderung gestoßen, da die meisten jüdischen Kommentatoren die Einwanderung befürworten und Kritik daran als "Rassismus" abzutun pflegen. Auch ihr Einsatz für die Meinungsfreiheit hört spätestens dann auf, wenn rechte Stimmen zu hören sind. Vor allem der Zentralrat der Juden in Deutschland dürfte deshalb über Sacks' Multikulti-Schelte nicht erbaut sein.
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