Blickpunkt Lausitz


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Artikel 23.04.2008

Den Toten die Treue, den Untreuen den Tod!
Gedenken an die Opfer bolschewistischer Gräueltaten am 22.04.2008 in Niederkaina bei Bautzen.

Der arbeitsame Tag endet und die nahende Dunkelheit kündet von einem beschaulichen Abend. Still und ruhig liegt das Dorf Niederkaina bei Bautzen wie viele der Oberlausitzer Siedlungen fast schon im Schlaf versunken. Doch von Beschaulichkeit kann an diesem Abend nicht gesprochen werden. Denn vom Trommelschlag geführt und ihrem Gewissen getrieben, haben sich wie aus dem Nichts kommend ca. 80 überwiegend junge Menschen eingefunden um der Opfer unserer „Befreier“ zu gedenken. Schnell scharen sie sich in dreier Reihen hinter die schwarzen Fahnen und den Kranzträger und entzünden ihre Fackeln. Die Trommel gibt das Tempo vor und bedächtig wird zum Ort des Verbrechens, das sich immer am 22.04. jährt, marschiert. Einige Einwohner schauen vorsichtig aus ihren Fenstern, andere hatten unser kommen scheinbar schon erwartet und ein älterer Mann schließt sich unserer Formation an.

Doch was war eigentlich damals am 22.04.1945 geschehen?

Der ehemalige Vorsitzende Richter einer großen Strafkammer Dr. Theodor Seidel, dessen Vater ebenfalls zur Verteidigung seiner Heimat als Volkssturmsoldat eingesetzt war forschte nach seiner Pensionierung nach den Zeugnissen Sowjetischer und Polnischer Kriegverbrechen um das Schicksal seines im Krieg gebliebenen Vaters aufzuklären. Seidel schrieb bzgl. Niederkaina: „So könnte es sich vollzogen haben“. In einer Scheune auf dem Gut des Majors von Lobenstein haben sich fast 200 gefangen genommene Volkssturmmänner (darunter zahlreiche angehörige der 2.Kompanie des 33.Volkssturmbatalions) für die Nacht eingerichtet. Das große Scheunentor ist verschlossen, ebenso der hintere Ausgang. Auf dem Hof die Bewacher: junge Soldaten des Polnischen Heeres unter dem Kommando eines Sergeanten der 1. Ukrainischen Front. Über einem Feuer hängt ein Kessel, in dem sie sich ihre karge Mahlzeit zubereiten. Für die Volkssturmmänner in der Scheune ist der Krieg nach zwei oder drei Monaten zu Ende. Die Optimisten sehen sich bald wieder bei ihren Familien. Ihnen, den „Hilfssoldaten“, dürfte „Sibirien“ erspart bleiben.

Niederkaina

Ihre Einheit hatte sich in der Nähe der Strafanstalt ( Gelbes Elend) ergeben müssen, weil sie - schlecht bewaffnet - gegen den Ansturm der Sowjets keine Chance hatten. Für die meisten ist zwar der Krieg ohnehin verloren, aber der Widerstand gegen den Ansturm der „Bolschewisten“ war ihnen patriotische Pflicht. Was sie an diesem Spätnachmittag des 22. April nicht ahnen: Deutsche Verbände haben die durchgebrochenen gegnerischen Einheiten nahezu eingekreist. Nur wenigen Truppenteilen wird der Ausbruch gelingen. Und Gefangene sind dabei ein lästiger Ballast. Auf den Hof knattert ein Krad mit einem sowjetischen Offizier auf dem Sozius. Hektische Befehle, unverständlich für die Späher an den Scheunenluken, tönen über den Hof. Der Offizier zeigt auf das Feuer unter dem Kessel. Die Aufbruchvorbereitungen auf dem Hof beunruhigen die Männer in der Scheune, zumal außerdem unweit von ihrem Standort Geschützdonner einsetzt. Plötzlich zieht eine Qualmfahne über die Köpfe. Kurz danach knistert in einer Ecke Feuer. Rasend frißt es sich durch das trockene Stroh. Durch eine Öffnung im Giebel fliegt ein brennender Bezinkanister. Der Qualm beißt in die Augen, die Männer drängen sich in panischer Angst auf die noch rauch - und feuerfreie Scheunenseite. Einer schleppt einen Balken heran, andere fassen zu und versuchen, die hintere Scheunentür aufzurammen. Das gelingt. Nach Luft japsend gelangen einige wenige nach draußen. Sie werden von Salven aus Maschinenpistolen niedergemäht. Inzwischen schlagen die Flammen aus dem Dach. Die furchtbaren Schreie aus der Scheune verebben nach und nach in wenigen Minuten. Nur zwei der Ausgebrochenen überleben das Massaker. Die blutige Bilanz: 59 Tote wurden im Gutspark begraben und 195 verbrannten qualvoll im inneren der Scheune.

Niederkaina

Am ehemaligen Standort der Scheune angekommen, bilden die jungen Idealisten einen Halbkreis um die an einer Mauer, von eben dem sich einreihenden alten Mann, angebrachte Gedenktafel. Ein Kamerad erzählt den Anwesenden kurz von den Geschehnissen des 22.0.4.1945 in Niederkaina und betont, dass dies eines von vielen Beispielen ist, über das was sich in den letzten Kriegstagen in Dörfern und Städten unserer Heimat ereignete. „Doch, nicht Hass, Rache oder Gegenüberstellung sondern der Drang nach Gerechtigkeit und Wahrheit sollen ihr Wesen wiederbekommen. Nicht nur in Niederkaina, sondern allerorts in Deutschland“ Mit diesen Worten beendet der Aktivist seine Rede und es wird das Lied „Ich hat einen Kameraden“ angestimmt, nach dessen Beendigung eine Schweigeminute anschließt. Nun nimmt die volkstreue Jugend wieder Formation auf und marschiert ohne jegliche staatliche Präsenz zurück in die aufkommende Nacht, aus der sie gekommen war.


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