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Kultur 20.12.2006 |
| Einmal im Jahr in der heiligen Nacht |
Jul kommt aus dem Nordischen und steht eigentlich für das Fest der Wintersonnenwende. Daraus hat sich also auch der Monatsname Julmond abgeleitet. Heute ist der Dezember für viele wohl eher ein Begriff, doch erst seit dem 13. Jahrhundert in Mitteleuropa kalendarisch belegt, bezieht sich dieser Name auf die 10 und war daher der 10. Monat im altrömischen Kalender. Er wurde auch nie entsprechend korrigiert und als 12. weitergeführt.
Da unsere Vorfahren, so wie wir, ein sehr naturverbundenes Volk waren, haben sie um die Kraft der Sonne gewußt. Im ewigem Kreislauf des Stirb und Werde nahm sie Einfluß auf den Lebensrhythmus unserer Ahnen. Der Kreislauf bestimmte somit über Leben, Wachstum, Tod und Wiedergeburt. Diese Erkenntnis haben sie mit Hilfe von Sinnbildern versucht zu überliefern. Ein Zeichen ist die Midgardschlange die sich in den Schwanz beißt. Deswegen auch der Adventskranz, denn weil auch in ihm – wie im Kreis – Anfang und Ende zusammenfallen und durch die vier Kerzen, die die vier Jahreszeiten und damit den immerwehrenden Jahresrhythmus versinnbildlichen . In der Julzeit stirbt nun die Sonne, aber nicht um ewig tot zu sein, sondern um sofort wieder neu geboren zu werden. Denn mit jedem Tag kommt der Frühling etwas näher, um Blumen und Gräser zu schenken. Und was liegt näher, als das Abbild für die Sonne das Feuer zu nehmen. So wurde in Sippen- und Dorfgemeinschaften oft ein Sonnwendfeuer als Teil der Feier abgebrannt . Da es im Norden Europas nun einmal kälter ist und ein rauheres Klima herrscht, war das Feuer unabkömmlich, denn auch das Feuer wärmte und brachte Licht ins Dunkel. Und darum war es heilig! Es war nur dem Ältesten im Hause gestattet das Feuer zu hüten und dauernd zu unterhalten. Und da es eine göttliche Urkraft ist, ruht am Feuer auch jede Art von Streit. Nur einmal im Jahr hat man das Feuer erlöschen lassen. In der heiligen Julnacht, in der das Weltenfeuer starb, mußte auch das Herdfeuer sterben, um dann mittels eines Brandes vom neu entfachtem Sonnenwendfeuer wieder entzündet zu werden. Denn die Entfachung des Winter- Sonnenwendfeuers war nichts anderes als die symbolhafte Neugeburt des vom Himmel niedergestiegenen Sonnensohnes. Eines der bedeutendsten Gestalten der Julzeit ist Ruprecht, der Weihnachtsmann. Er ist der Behüter alter Bräuche, der Heimat, des Volkes, und sieht zur Weihnachtszeit nach dem Rechten. Am Abend des 6.12. kommt er als erster Bote des Julfestes. Wenn die Kinder ihre Schuhe geputzt haben, dann kann es sein das er den Kindern zur Belohnung Früchte aus dem Wald und kleine Geschenke bringt. Auch die Lebensrute ist ein natürlich wichtiger Bestandteil der nicht fehlen darf, denn ganz anders wie im verfälschtem Christentum soll sie keine Bestrafung sein, sondern als Fruchtbarkeitssymbol gelten. Waren die Kinder artig und der Ruprecht da, können nun die eigentlichen Vorbereitungen für das Julfest beginnen. Wie schon erwähnt ist der Adventskranz ein wichtiger Bestandteil des Festes, denn als Symbol des ewigen Lebens und der vier Jahreszeiten, wofür die Kerzen stehen, darf auch er nicht fehlen. Geschmückt wird er mit dem Grün was uns der Winter gelassen hat. Weiter sind der Klausenbaum aus dem südlichem Raum Deutschlands, der Julleuchter sowie der Julbogen verschiedene Varianten an denen man Kerzen anzünden kann.
Das Sinngebäck wird nach Tieren des Waldes oder heidnischen Symbolen gebacken. Es kann an allen vorhergegangenen Gegenständen befestigt werden. Eines der bekanntesten und eigentlich doch schönsten Brauchtumserhaltungen ist der Julbaum. Der Baumkult unserer Ahnen ist ja weit bekannt. Und so ist es nicht verwunderlich, daß es zur Julzeit auch einen Julbaum gibt. Erstmals wird er in der Minnedichtung im 12. und 13. Jahrhundert erwähnt, später hauptsächlich in Ratsverordnungen, die „das Ausputzen der Stuben mit Tannengrün und Bäumen“ verbieten. Noch 1935 bezeichnete der vatikanische „Osservator Romano“, die amtliche Zeitung de Papstes, die Sitte, zum Julfest einen Lichterbaum aufzustellen, als „ ein Überbleibsel heidnischer Naturbräuche“. Heute wird er ironischer Weise „Christbaum“ genannt ! Nun aber zurück zum schmücken und gestalten des Baumes. Es ist eine schöne Sitte, neben 13 weiße Kerzen für Zahl der Monde in einem Jahr, eine blaue Kerze an den Baum zu stecken, zum Gedenken aller Deutschen die fern der Heimat leben und eine rote Kerze zum Gedenken an die Ahnen und die Opfer der Kriege. Um die Ehre und die feierliche Stimmung beizubehalten, sollte diese nicht durch elektrische Lämpchen zerstört werden. Auch sollte der Baum mit Äpfeln und Nüssen als Sinnbild der Lebenskraft behangen werden. Man kann auch mit Sinngebäck schmücken, doch wie auch schon die Lämpchen würde kapitalistisch erworbener Baumschmuck nur stören und den tiefen Sinn des Brauchtums ruinieren. Um nicht unerwähnt zu lassen das selbstgemachter Schmuck immer noch am wirkungsvollsten ist, und den Wert des Baumes steigert.
Unter dem Baum kann man einen kleinen Julgarten nachbilden, indem man etwas Moos hinunter legt und Figuren aus dem heimischen Wald dazustellt. Der Julbock ist ein aus Stroh geflochtener Ziegenbock.
Um den Kindern in der heutigen Zeit nicht den Faden zu der Verbindung mit Tieren und Wald verlieren zu lassen, ist es noch ein schöner Brauch am Abend mit ihnen in den Wald zu gehen und für die Tiere dort einen Baum mit Futter zu schmücken. Die Julfeier am Abend selbst sollte mit Gedichten, Liedern, Geschichten und musikalischen Stücken ausgeschmückt werden, um nicht das „Geschenke auspacken“ in den Mittelpunkt zu stellen.
Wir sollten von dem Weg abkommen, das Julfest nur zu feiern, um die größten, tollsten und vor allen Dingen teuersten Geschenke zu bekommen. Am Ende muß aber jeder für sich selber entscheiden, wonach sein Herz strebt.
In diesem Sinne ein gutes Gelingen bei der Feiergestaltung. |
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