Blickpunkt Lausitz |
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Presse 31.07.2007 |
| Wer schweigt, stimmt zu |
Es war eine innovative Idee: Alle Bürger von Cottbus und die Geschäftsbetreiber verweigern gemeinsam und aktiv der NPD ihre Aufmerksamkeit. Die Fensterläden sollten geschlossen, die Geschäfte für die Zeit, wenn der Aufmarsch in der Nähe ist, verrammelt sein. Eine ausgestorbene Geisterstadt wollte man den Rechtsextremen bieten. So lobenswert es ist, neue Strategien gegen Nazis zu entwickeln und in der Praxis zu testen – dennoch ist den Initiatoren des stillen Protests zu raten, die Erfahrungen vom Samstag nachzubereiten.
Denn von Beginn an hatten viele Bürger Probleme damit, einfach wegzuschauen. Zu oft war in der Geschichte weggesehen worden, wenn Nazis am Werk waren, nicht nur zu Beginn der 30er Jahre, auch zu Beginn der 90er Jahre verhielten sich viele Deutsche viel zu passiv gegenüber den ausländerfeindlichen Angriffen. In beiden Fällen deuteten die Rechten das Schweigen als Zustimmung. Allein aus dieser historischen Erfahrung ist das stille Konzept zumindest fragwürdig. Am Samstag erwies sich zudem, dass beileibe nicht alle Bürger sich an die Spielregeln hielten. Sogar der Fanshop des Bundesligisten Energie Cottbus blieb während des Aufmarsches geöffnet, um Geschäfte zu machen. Wenn dann gleichzeitig Antifas, Studenten und Bürger von der Polizei eingekesselt werden, damit die Rechten ungestört marschieren können, gerät das stille Ansinnen zur Farce, weil man der NPD einen freien Weg durch die Stadt bereitete.
Von Martin Kröger
Neues Deutschland (online) vom 30.07.2007 |
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