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Presse 16.08.2007 |
| Landrat verbietet Heß-Demo |
Zittau. Landrat Günter Vallentin hat einen Gedächtnismarsch durch Zittau aus Anlass des Todestages von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß verboten. Eine Einzelperson hatte die Veranstaltung mit rund 100Personen für Sonnabend angemeldet. Der Landrat begründet seine Entscheidung nach Angaben seiner Sprecherin mit der Gefährdung des öffentlichen Friedens und der Verunglimpfung der Opfer der Nazi-Herrschaft.
Lebenslange Haft
Hitler ernannte Rudolf Heß zu seinem Stellvertreter in der NSDAP. Er war beteiligt an der Organisation der Judenverfolgung. 1941 wurde er bei einem Geheimflug nach Schottland von Großbritannien gefangen genommen. In den Nürnberger Prozessen wurde Heß wegen Planung eines Angriffskrieges und Verschwörung gegen den Weltfrieden zu lebenslanger Haft verurteilt und in das alliierte Militärgefängnis Berlin-Spandau überführt, wo er am 17. August 1987 starb. Über die Umstände seines Todes gibt es widersprüchliche Angaben. Während eine Obduktion der Briten zum Schluss kam, es handele sich um Selbstmord, verbreitete die Familie Mord als Todesursache.
Heß gilt in der rechtsextremistischen Szene als Märtyrer. Darauf spielten auch zwei Transparente an, die am Dienstag an der Zittauer Mandaukaserne hingen. Auf ihnen war nach Angaben von Augenzeugen zu lesen: „Märtyrer Rudolf Hess“. Fahrgäste einer nahe gelegenen Bushaltestelle beobachteten, wie Polizeibeamte die Transparente entfernten. Allerdings war der Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien gestern auf SZ-Nachfrage von diesem Vorfall nichts bekannt. Es seien aber auf der Hochwaldstraße am toom-Markt, auf der Goldbachstraße und auf der Äußeren Weberstraße (alle Zittau), aber auch in Beiersdorf am Dienstag Plakate mit ähnlichem Inhalt sichergestellt worden, informierte Polizeisprecher Uwe Horbaschk. Gestern fielen die Heß verherrlichenden Plakate in Lawalde und in Zittau auf. Dort wurde auf der Bautzener Straße ein Passant beobachtet, der die Schriftstücke in die Luft warf, so Horbaschk. „Der Inhalt dieser Blätter wird eingehend durch die Staatsanwaltschaft geprüft, denn nicht in jedem Fall ist er durch die freie Meinungsäußerung gedeckt, sodass ein Straftatbestand vorliegen kann“, erklärte der Polizeisprecher. Überdies prüfe der Staatsschutz den Tatbestand der Volksverhetzung.
Flugzettel auch anderswo
Die genannten Aktionen sind nicht die einzigen dieser Art in der Oberlausitz in den vergangenen Tagen. So tauchten am Dienstag auch Plakate in Bautzen mit Bezug zu dem Nazifunktionär auf. Am Montag bereits waren in Görlitz entsprechende Flugzettel verstreut worden.
Die Polizei spricht von einer Wiederholung dieser Vorfälle, sobald sich der Todestag von Heß nähert.
16.08.2007 - Sächsische Zeitung |
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