Blickpunkt Lausitz |
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Presse 20.09.2006 |
| Wenig Umdenken in eineinhalb Dekaden |
MARIUS BUCHNER aus Hoyerswerda, der Pressesprecher des Organisationsbündnisses zur antirassistischen Demonstration „Hoyerswerda – 15 Jahre später“, ist uneinverstanden mit der bisherigen Berichterstattung zu diesem Thema:
15Jahre nach den Ereignissen fehlt es meiner Meinung nach in Ihren Artikeln der Herren Jordan und Kolodziej noch immer an einem klaren Standpunkt, den uns die Gewalt und der ungezügelt ausgelebte rassistische Hass von nicht wenigen BürgerInnen Hoyerswerdas und Neonazis vor 15 Jahren gelehrt haben sollten...
Relativierungen zeugen für mich leider von wenig Umdenken innerhalb der vergangenen eineinhalb Dekaden. Die Opfer der Angriffe waren ausländischen MitbürgerInnen der Wohnheime in Hoyerswerda. Schuld an dem Aufflammen der Gewalt war jedoch nicht ihre Anwesenheit, sondern der Rassismus, der in den BürgerInnen Hoyerswerdas ruhte und mit Neonazis gemeinsam 1991 ausgelebt wurde... Ist die politische Spitze Hoyerswerdas ihrer Verantwortung nachgekommen, BürgerInnen über die Gefahren von Rassismus, gerade in einer Stadt wie Hoyerswerda, aufzuklären? Wurde solcherlei unbequeme Arbeit nicht eher aktiven und offenen Menschen aus dem Umfeld der RAA, der KulturFabrik oder dem alternativen Jugendclub „Dock 28“, um nur einige zu nennen, zugeschoben? Kaum ein Umdenken zu erkennen ist in einem Satz, dass keiner garantieren könne, dass es nicht ein paar Wirrköpfe gebe, die versuchen, dem Ruf der Stadt zu schaden. Genau die gleichen Sätze wurden schon vor 15 Jahren geäußert. Aber es schmissen nicht nur Neonazis Steine, und es waren nicht nur „ein paar Wirrköpfe“, sondern einige hundert Menschen, die Beifall klatschten, wenn ein Molotow-Cocktail der rassistischen Gewalttäter sein Ziel traf...
Der Kommentar von Herrn (Oberbürgermeister) Brähmig „Die Erinnerungen an diese 15 Jahre behalten wir Hoyerswerdaer uns selbst vor“ ist ebenso undifferenziert wie auch wenig entgegenkommend gegenüber jungen Menschen, auch aus Hoyerswerda, die ihre Stadt nicht aufgegeben haben und sie nicht einer bloßen Kultur des Erinnerns und regelmäßig bis heute vorkommender Gewalt von Neonazis überlassen. Wer glaubt, Hoyerswerda habe kein Problem mehr mit Rechtsradikalismus, den verweise ich auf die Internetseite, http://aag-hoyerswerda.sytes.net, in der unter „Chronik“ nachgelesen werden kann zum Thema rechte Gewalt in unserer Stadt...
Die antirassistische Demo (am 23. September), die mit Unterstützung aus ganz Sachsen und Südbrandenburg von Hoyerswerdaer Jugendlichen organisiert wird, ist eben nicht ein Aufmarsch vermeintlicher Extremisten, sondern die Initiative von Menschen, die sich kritisch und bewusst anders als die Stadtverwaltung mit der Erinnerungskultur und Vergangenheitsbewältigung in Hoyerswerda auseinander setzen.(stark gekürzt) |
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