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Presse 17.11.2006

Näher an der PDS als an der CDU
Herr Richter, wer waren die über Jahre vom Verfassungsschutz beobachteten Freien Aktivisten Hoyerswerdas (FAH)?

Die "Freien Aktivisten Hoyerswerda" hat es so nie gegeben. In meiner Generation, die durch Skinheads geprägt wurde, waren sie seit 1998 ein Freundeskreis. Es gab keine feste Struktur.

Was waren ihre Ziele?

Sie waren sehr einfach gestrickt: Wir hier unten gegen die da oben. Wir haben viel unternommen, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Damals gehörten auch die Klischeeaussagen dazu: Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg, Adolf Hitler hatte nicht unrecht ... Mittlerweile sind wir älter geworden und tiefer in den nationalen Sozialismus eingetaucht.

War das einer der Gründe, warum Sie und die FAH in diesem Jahr zur JN gewechselt sind?

Wir haben gemerkt, dass die Repressalien groß sind, größer als der Normalbürger merkt. Da sind Hausdurchsuchungen noch das geringste Übel. Das System der BRD ist so schwankend, dass es uns in seine festen Strukturen treibt. Dennoch werden wir nicht in ihm versumpfen. Ist es notwendig, werden wir auch im Untergrund weiter agieren. Der andere Grund ist, dass sich die JN gewandelt hat. Jetzt sagen sie, dass etwas mit der parlamentarischen Demokratie nicht stimmt. Sie sind gegen die Finanzoligarchie, gegen das Kapital, haben sich sozialistisch aufgestellt. Mit dieser Distanzierung zum liberal-kapitalistischen System ist sie für uns, die revolutionären Nationalisten, attraktiv geworden: Sie fordern genau wie wir einen Volksstaat, der national und sozialistisch ist. Die JN ist vom Habitus revolutionärer als die NPD.

Wie können Sie im System mitmischen, wenn Sie es ablehnen?

Durch die Parlamentsarbeit können wir einen Blick in die Höhle des Löwen werfen und den demokratischen Kräften auf die Finger sehen. Das stört sie ja sichtlich. Außerdem gibt es nach wie vor parteifreie Kräfte. Wir führen den Kampf um die Köpfe und die Straßen.

Wie stehen Sie zu solchen Anschlägen wie kürzlich auf den Asia-Imbiss in Bernsdorf?

Solche Anschläge verurteilen wir. Allen Jugendlichen, auf die wir Zugriff haben, sagen wir: Wir Nationalisten sind gegen Terror und Gewalt. Wir haben auch schon Jugendliche wegen plumpen Rassismus rausgeschmissen, denn wir erkennen die Unterschiede der Völker an, sehen aber Stärken und Schwächen. Nicht umsonst haben wir gute Kontakte zu gleichgesinnten Gruppen im Ausland. Außerdem ist unser Feind das System und nicht der einzelne Ausländer.

Wie stehen Sie zum Holocaust?

Wir leugnen ihn nicht. Aus dem Paragraf 130 Strafgesetzbuch lernen wir, dass alles andere falsch ist. Trotzdem ist Auschwitz ein rotes Tuch für uns, denn in Diskussionen wird immer wieder die Auschwitz-Keule geschwungen. In dem Punkt lassen wir uns einfach nicht auf die Demokraten ein. Das würde für uns in den Kerkern des Systems enden. Außerdem beschäftigen wir uns jetzt nicht damit. Unser Augenmerk liegt auf der Gegenwart und der Zukunft. Wir vertreten einen neuen nationalen Sozialismus und machen nur an Tagen wie dem 13. Februar und dem 8. Mai auf unsere historischen Sichtweisen aufmerksam.

Sind Sie rechtsextrem?

Manche sagen, dass wir so weit links sind, dass wir schon wieder rechts rauskommen. Wir lehnen diese Schubladen-Kategorien ab, denn es sind die der Demokratie. Wir sind eine Jugendbewegung und ein Netzwerk, ein Teil in der Partei, ein Teil außerhalb. Uns verbindet die Gesinnung. Als rechts wird auch die CDU bezeichnet. Wenn Bindung an das Kapital rechts ist, dann verbindet uns mehr mit der PDS. Wir ziehen die Grenze zwischen oben und unten, zwischen Ausbeuter und Unterdrückten.

Sind Sie verfassungsfeindlich?

Wie können wir verfassungsfeindlich sein, wenn die BRD gar keine Verfassung hat? Die BRD hat ein Grundgesetz, das durch die US-Besatzer legitimiert wurde. Dort drin steht, dass sich das deutsche Volk eine Verfassung geben soll. Das ist nicht geschehen.

Sind Sie Faschisten?

Nein, auf keinen Fall. Der Faschismus stellte den Staat in den Mittelpunkt. Für uns steht das Volk im Mittelpunkt.

Wollen Sie die sogenannten Ostgebiete zurück?

Um dieses außenpolitische Thema scheren wir uns jetzt nicht. Jetzt ist der Aufbau der Bewegung wichtiger. Wir stellen nur fest: Die Deutschen sind vertrieben worden. Das ist völkerrechtlich nicht in Ordnung. Darüber müssen wir reden.

Was ist Ihr Ziel?

Der nationale Sozialismus ist keine starre Ideologie. Ansichten ändern sich und müssen optimiert werden. Wir analysieren und interpretieren auf Grund unserer Weltanschauung. Der Grundriss: 1. Wir wollen einen nationalen Volksstaat auf sozialer Grundlage. 2. Im Volksstaat soll nicht die Finanzdiktatur der parlamentarischen Demokratie, sondern ein Ständesystem herrschen. Meiner Meinung nach sollen also die Tüchtigsten und Fähigsten aus dem Volk gewählt werden und eine Art Rat der Weisen bilden, der direkt vom Volk beeinflusst werden kann. 3. Wir streben eine antikapitalistische Politik an. Schlüsselindustrien wie Post und Wasserversorgung müssen vom Staat kontrolliert sein. Das Hauptübel Zinswirtschaft muss abgeschafft und der Arbeiter am Gewinn beteiligt werden.

Das klingt, als wären Sie politisch geschult worden!

Ich nicht. Ich habe mir das selber angeeignet. Allerdings haben wir jetzt ein Schulungsnetzwerk aufgebaut, das ein fundiertes Weltbild anbieten und mit vorgefestigten Schubladen aufräumen soll.

Ihre Homepage war vorübergehend geschlossen. Was war los?

Es ist nicht meine Netzseite. Aber ich kann berichten, dass es Hacker-Angriffe gegeben hat.

Haben Sie Ihr Pseudonym "Sepp Hagen" abgelegt?

Sepp Hagen ist in einer Spaßaktion entstanden. Jetzt habe ich erkannt, dass wir in die Öffentlichkeit gehen müssen. Warum sollte ich mich also verstecken?

Gespräch: Thomas Mielke
Quelle: Sächsichse Zeitung, 17.11.2007

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